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Methodik

DWS, Union Investment, Allianz und Deka sind die vier größten Fondsgesellschaften in Deutschland. Insgesamt verwalteten diese vier Gesellschaften allein in Publikumsfonds ein Anlagevermögen von 713 Milliarden Euro. Laut einer Statistik für das Jahr 2019 war die DWS Spitzenreiter mit 268,2 Mrd. Euro, gefolgt von Union Investment mit 159, der Allianz Asset Management Gruppe mit 151,7 und der DekaBank Gruppe mit 134,4 Mrd. Euro.

Wir haben daher die Fonds, die auf den Webseiten dieser vier Anbieter gelistet sind (AllianzDekaDWSUnion Investment), ausgewählt. Zusätzlich wurden Nachhaltigkeitsfonds, die entweder mit einem FNG-Siegel ausgezeichnet oder von den Fondsgesellschaften selbst als „nachhaltig“ bezeichnet („ESG-Eigenlabel“) wurden, analysiert. Wir haben außerdem eine Reihe von ETFs einbezogen, z.B. die ETF- und Indexfondspalette von iShares (BlackRock). Für diese Fonds rufen wir die Portfolio-Daten aus Lipper for Investment Management ab, soweit verfügbar.

Zwei Einschränkungen bei der Auswahl der Fonds haben wir im April 2020 eingeführt: Zum einen werden Fonds nur dann in die Datenbank überführt, wenn die abrufbaren Portfolios nicht älter als zwei Jahre sind. Zum anderen haben wir nur diejenigen Fonds in die Datenbank aufgenommen, deren Anteil an Aktien oder Anleihen (Bonds) über 20% beträgt. Das bedeutet, dass zum Beispiel Dachfonds, die wiederum nur in andere Fonds investieren, nicht in der Datenbank enthalten sind. Der Grund hierfür ist, dass wir derzeit nur Aktien und Anleihen der Portfolios kontroversen Unternehmen zuordnen und somit auswerten können. Ein sehr geringer Anteil an Aktien und Anleihen innerhalb eines Fondsportfolios würde demnach zu einer verfälschenden Darstellung einer geringen „Belastung“ eines Fonds führen.

Die Bewertung der Portfolios wird wie folgt durchgeführt:

Die Portfolios werden nach Aktienbeteiligungen und Anleihenbesitz an Unternehmen, die gegen ESG-Kriterien verstoßen, untersucht.

Dazu haben wir folgende Kriterien herangezogen: Verletzung bzw. nicht ausreichende Beachtung von Arbeits- und Menschenrechten, Umweltzerstörung, Verschärfung des Klimawandels (insb. Erzeuger fossiler Brennstoffe),  Rüstungsproduktion und Beteiligungen an Rüstungsexporten, Verstrickungen in Korruption oder andere Finanzdelikte (insb. Geldwäsche) sowie andere Verstöße (insb. mangelnde Produktsicherheit). Auf Basis dieser Kriterien haben wir unsere Datenbank kontroverser Unternehmen erstellt. Aktuell umfasst diese 730 Unternehmen. Das Vorgehen zur Auswahl der kontroversen Unternehmen ist unter Quellen beschrieben.

Diese Unternehmensdatenbank wird in unserer Fondsdatenbank mit den Portfolios aller ausgewählten rund 5.300 Fonds verknüpft. Daraus ergibt sich je nach Fonds eine entsprechende Gesamthöhe kontroverser Unternehmensbeteiligungen. Diese Gesamthöhe entspricht dabei der Summe der einzelnen Gewichtungen der kontroversen Unternehmen im Portfolio des Fonds (Höhe der investierten Summe in das jeweilige Unternehmen / Gesamtvolumen des Fonds).

Für die Bewertung der Fonds ist also nicht deren finanzielle Entwicklung relevant, sondern rein deren Zusammensetzung.

Die Auswahl der kontroversen Unternehmen beruht auf Bewertungen von acht, größtenteils externen Analysen:

  1. Die Ausschlussliste des Norwegischen Pensionsfonds: der größte staatliche Pensionsfonds der Welt berücksichtigt bei der Verwaltung seines Vermögens auch soziale und ökologische Kriterien, auf deren Basis bereits eine Vielzahl von Unternehmen ausgeschlossen wurden (Stand: September 2021).
  2. Climate Action 100+: Die Investoren-Initiative Climate Action 100+ versucht sicherzustellen, dass die weltweit größten Treibhausgasemittenten notwendige Maßnahmen gegen den Klimawandel ergreifen. Mehr als 600 Investoren mit über 55 Billionen Dollar an Vermögenswerten halten Unternehmen dazu an, Emissionen zu reduzieren, ihre Governance zu verbessern und die Verwendung klimabezogener Finanzinformationen voranzubringen. Climate Action 100+ konzentriert sich auf Unternehmen, die den Übergang zu einer weltweiten Netto-Null-Emissionen-Strategie maßgeblich vorantreiben. Zusammen sind die 167 ausgewählten Unternehmen für über 80 Prozent der industriellen Treibhausgasemissionen von Unternehmen verantwortlich und tragen deshalb maßgeblich zum Klimawandel bei. Für unsere Datenbank haben wir alle Unternehmen übernommen, außer denen, deren kurzfristigen Ziele der Emissionsreduktion mit dem Pariser Klimaziel in Einklang stehen.
  3. Global Coal Exit List“: Die Global Coal Exit List (GCEL) ist eine von urgewald zur Verfügung gestellte Datenbank, die Informationen zu über 1.000 Unternehmen und ihren Tochtergesellschaften entlang der Wertschöpfungskette von Kohle umfasst: nicht nur der Kohleabbau oder die Kohleverstromung sind berücksichtigt, sondern auch Kohletransport- und Logistikunternehmen, Kohleanlagenherstellern, Anbietern von EPC-Dienstleistungen für die Kohleindustrie, Kohlevergasern usw. Sämtliche börsennotierte Unternehmen wurden in die Faire Fonds-Datenbank übernommen.
  4. Sipri (2019): Das Stockholmer internationale Friedensforschungsinstitut hat bis 2018 eine Liste der 100 größten Rüstungsproduzenten und Militärdienstleister veröffentlicht. Sofern die größten 50 Unternehmen dieser Liste börsennotiert sind, sind sie hier berücksichtigt.
  5. Die „Blacklist Arms Exports“ (2021) ist eine Recherche im Rahmen des Projekts „Companies Fueling Wars With Arms Exports Database“, das Urgewald und Facing Finance im ersten Quartal 2022 veröffentlichen werden. Bei Fragen zu Details der Methodik schreiben Sie uns gern eine mail: info@faire-fonds.info. Die „Blacklist Arms Exports“ listet 107 Unternehmen auf, die zwischen 2015 und 2020 direkt, über Tochtergesellschaften oder über Joint Ventures an Rüstungsexporten in Konflikt- und Kriegsgebiete beteiligt waren. Unternehmen, die zwischen 2015 und 2020 Verträge zu Rüstungsexporten in Konflikt- und Kriegsgebiete abgeschlossen haben, sind ebenfalls erfasst, auch wenn die entsprechenden Waffen oder Waffensysteme noch nicht geliefert wurden. Die Klassifizierung der Konflikt- und Kriegsgebiete beruht auf dem Konfliktbarometer des Heidelberger Instituts für Internationale Konfliktforschung, wobei Kriegseinsätze, die durch ein Mandat des UN-Sicherheitsrats gedeckt sind, ausgenommen wurden. Auf Basis der SIPRI Arms Transfers Database des internationalen Stockholmer Friedensforschungsinstituts wurden die an den dort gelisteten Rüstungsexporten in Kriegsgebiete (2015-2020) beteiligten Unternehmen ermittelt. Die Mitverantwortung der aufgelisteten Unternehmen umfasst das Produzieren, Reparieren, Modernisieren, Überholen, Designen und Liefern von Waffen sowie die Zulieferung von Dual-Use Produkten und die Lizenzvergabe zur Rüstungsproduktion vor Ort in Konflikt- und Kriegsgebieten.
  6. RepRisk: Das Schweizer ESG-Datenforschungsunternehmen bewertet die sozialen und ökologischen Reputationsrisiken von Unternehmen. Eine jährliche Publikation dokumentiert die jeweils 10 kontroversesten Unternehmen weltweit (Top Controversial Companies 2017, 2018, 2019).
  7. Der „Plastic Waste Makers-Index“ (2021) identifiziert die Unternehmen, die aus fossilen Brennstoffen die fünf primären Polymere herstellen, die weltweit den größten Teil des Einweg-Plastikabfalls verursachen („Hersteller neuer Einweg-Polymere“). Der Index bewertet auch, welche Unternehmen effektive Maßnahmen ergreifen, um eine Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe zu schaffen.
  8. „Corporate Human Rights Benchmark 2019“: Der CHRB 2019 analysiert öffentlich zugängliche Informationen zu Themen wie Zwangsarbeit, Schutz von Menschenrechtsaktivisten und existenzsichernden Löhnen, um Unternehmen bezüglich deren Umsetzung der UN-Leitsätze für Unternehmen und Menschenrechte sowie zusätzlicher Standards und Leitlinien, die sich auf bestimmte Branchen und spezifische Themen konzentrieren, zu bewerten. Die Auswahl der für den CHRB 2019 analysierten rund 200 börsennotierten Unternehmen aus den Branchen Agrarprodukte, Bekleidung, Rohstoffe und Informations-/Kommunikationstechnik erfolgt anhand deren Größe (Marktkapitalisierung), Umsatz sowie geographischem und branchenspezifischem Gleichgewicht. Für die „Faire Fonds“-Datenbank wurden diejenigen Unternehmen ausgewählt, die laut dieser Quelle auf Vorwürfe der Missachtung der Menschenrechte nicht angemessen reagiert haben.

Die Portfolios der Investmentfonds, also welche Unternehmen sich darin befinden, wurden über die Datenbank Lipper for Investment Management  (Refinitiv Eikon, ehemals Thomson Reuters Eikon) abgerufen (Stand: Oktober 2021). Für die Datenbank wurden lediglich diejenigen Fonds aus der Vorauswahl herangezogen, deren Portfolios ab dem 01.01.2020 oder später verfügbar waren, um die Ergebnisse möglichst aktuell zu halten. Da bisher keine Fonds innerhalb eines Fonds (z.B. Dachfonds) ausgewertet werden können, wurden darüber hinaus Fonds, deren Aktien- und Anleihenanteil innerhalb der Portfolios unter 20% beträgt, nicht in die Datenbank überführt.

Die Cerrejón Steinkohlemine im Tagebau, ein Joint Venture von Glencore, BHP Billiton und Anglo American (c) Hour.poing
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