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Hintergrund

Wiederholt belegen aktuelle Recherchen, dass Investoren und Finanzdienstleister (Versicherungen, Investmentgesellschaften und Banken) über ihre Beteiligungen an Unternehmen von deren entwicklungshemmenden, umwelt- und klimaschädlichen bzw. menschenrechtlich höchst problematischen Geschäftsmethoden profitieren, die zu Armut, Flucht und Umweltzerstörungen beitragen.

Eine wesentliche Rolle dabei spielen Investmentfonds (Fonds). Diese Form der gemeinschaftlichen Kapitalanlage in zum Beispiel Aktien oder Anleihen gewinnt in Zeiten niedriger Zinsen für Privatanleger immer mehr an Bedeutung. Zum 14.02.2022 umfasste laut dem deutschen Fondsverband BVI das in Publikumsfonds investierte Vermögen mehr als 1,4 Billionen Euro, rund 588 Mrd. bzw. 225 Mrd. Euro davon in Aktien- oder Rentenfonds.

Deren Zusammensetzung ist aus sozialen oder ökologischen Gesichtspunkten allzu oft problematisch. So finden sich z.B. die größten klimaschädlichen CO2 Emittenten aus der fossilen Energiebranche (Chevron, Shell, Gazprom, Coal India, etc. ) in vielen Portfolios deutscher und internationaler Fondsanbieter, aber auch Beteiligungen an Rüstungsfirmen (AIRBUS/MBDA, Rheinmetall, Lockheed Martin etc.), die an Staaten (Saudi Arabien etc.), die aktuell im Jemen-Krieg involviert sind, Waffen liefern und somit die laut UNO gegenwärtig eine der größten humanitären Katastrophen mit zu verantworten haben.

Bisher waren die Begriffe „nachhaltig“ oder „grün“, mit denen ein Fonds Werbung machte, nicht sehr aussagekräftig. Dies scheint sich nun durch Regulierung aus der EU zu ändern. Seit dem 11. März 2021 ist die Transparenzpflicht seitens der Fondsanbieter gestiegen. Die Fondsanbieter müssen nun offenlegen, ob und wie soziale und ökologische Kriterien bei der Auswahl der Unternehmen berücksichtigt werden. Unterschieden werden Produkte, die ESG-Merkmale bewerben und solche, die nachhaltige Investitionen anstreben. In beiden Fällen muss nun dargelegt werden, wie diese Merkmale erfüllt bzw. das angestrebte Ziel erreicht werden soll. Ab dem 1.1.2022 gilt es außerdem, konkret zum Klimaschutz und der Anpassung an den Klimawandel als zwei Zielen der sog. Taxonomie Stellung zu nehmen. Eine Standardisierung rund um den Begriff „grün“ ist dadurch zumindest eher wahrscheinlich.

Die EU-Regulierung bringt die Branche in Bewegung. Die Fonds werden als „Artikel 8“ oder „Artikel 9“- Fonds klassifiziert, Anbieter legen neue „ESG“-Fonds auf oder benennen bestehende Produkte um, um den Trend der nachhaltigen Geldanlage zu nutzen. Doch ob ein Portfolio, das sich „nachhaltig“ nennt, jetzt auch wirklich nachhaltig ist, wird sich erst zeigen müssen.

Das Faire Fonds-Projekt stellt deshalb eine Fonds-Datenbank zur Verfügung, die die Portfolios von Publikumsfonds beleuchtet. Mit der Frage „…was macht eigentlich meine Bank/meine Versicherung mit meinem Geld?“ können Kund*innen bei ihren Fonds genauer hinsehen, kritischer nachfragen und gegebenenfalls nach Alternativen suchen.

 

Bitte beachten Sie: Diese Webseite dient nicht der Empfehlung oder dem Abraten eines Produktes, sondern der Information über die Beteiligungen der Investmentfonds an Aktien und Anleihen bestimmter Unternehmen. Die Entscheidung über den Abschluss eines Vertrags über ein Produkt liegt nur bei Ihnen und daher sollten Sie sich zu den Kosten, den Chancen sowie den Risiken eines Produktes genau erkundigen.

Wird die Rendite Ihres Investmentfonds über Beteiligungen an kontroversen Unternehmen erwirtschaftet?

Unsere Fonds-Datenbank analysiert laufend die Publikumsfonds der vier größten deutschen Fondsanbieter Allianz, Deka, DWS und Union Investment auf Beteiligungen an kontroversen Unternehmen. Außerdem sind ausgewählte ETFs und Nachhaltigkeitsfonds in der Datenbank enthalten. Die Unternehmen, die wir in den Portfolios dieser Fonds kennzeichnen, stehen im Verdacht, internationale Normen und Standards zu verletzen und Menschen- oder Arbeitsrechte zu missachten, zum Klimawandel beizutragen, für Umweltzerstörung verantwortlich oder in Fälle von Korruption oder Geldwäsche verstrickt zu sein. Natürlich gehen wir auch auf Rüstungsproduktion ein. Bei der Auswahl Ihrer Investmentfonds sollten Sie genau darauf achten, nicht indirekt diese kritischen Unternehmenspraktiken zu unterstützen.

Der Gesetzgeber sieht bei der Auswahl des Fondsportfolios keine verbindliche Berücksichtigung von sozialen und ökologischen Standards (ESG-Kriterien) vor. Dies ändert auch die EU-Taxonomie nicht. Auch wenn Greenwashing dadurch erschwert werden soll, können Fondsmanager*innen weiterhin entscheiden, ESG-Kriterien bei ihren Investmententscheidungen außer acht zu lassen und weiterhin Unternehmen auswählen, die zum Beispiel für Menschenrechtsverletzungen oder Umweltzerstörung verantwortlich sind oder mit der Produktion kontroverser Waffen ihr Geld verdienen. Der Fonds profitiert davon, und Sie als Kund*in auch.

Mit unserer Initiative wollen wir zu mehr Transparenz von Investmentfonds beitragen und haben darum die Portfolios von über 5.300 Fonds (inkl. der verschiedenen Anteilsklassen) auf Beteiligungen an kontroversen Unternehmen überprüft, darunter auch mit einem FNG-Siegel ausgezeichnete und weitere als „nachhaltig“ vermarktete Fonds. Die genaue Vorgehensweise können Sie unter Methodik einsehen.

Umweltkatastrophe im Golf von Mexico: Nach der Explosion der Ölplattform Deepwater Horizon von BP wird schwimmendes Öl auf dem Wasser abgefackelt. (c) Coast Guard Foto von Petty Officer First Class John Masson.
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