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Update Winter 2023/2024

Bild: © n.v.

Im Winter 23/24 haben wir, wie immer in schöner Regelmäßigkeit, die Daten für unser Verbraucher*innen-Portal aktualisiert. In aller Kürze: Wir haben jetzt Informationen zu 1.246 Unternehmen und 3.510 Fonds in unserer Datenbank.

Nach wie vor machen die Unternehmen von urgewalds Global Coal Exit List (GCEL) und der Global Oil and Gas Exit List (GOGEL) den Großteil der Unternehmen aus, die wir abdecken: nämlich rund drei Viertel. 166 Unternehmen aus diesen beiden Listen sind aber auch in anderen Quellen enthalten.

Die GCEL wurde erstmals 2017 veröffentlicht. Derzeit landen alle Unternehmen auf der GCEL, die ihre Kohlegeschäfte immer noch expandieren, die bestimmte absolute Werte überschreiten (5GW installierte Kapazität für Kohlekraftwerke und 10 Mtpa Kohleabbau) und die mehr als 10% ihrer Stromerzeugung oder ihrer Einnahmen aus Kohle erzielen.

Die Schwester-Liste GOGEL wurde 2021 erstmalig veröffentlicht. Auf ihr finden sich Daten zu Produktionsmengen von Öl und Gas, zu unkonventioneller Produktion und zu Expansion und Exploration. Die Liste deckt auch Unternehmen ab, die im Midstream-Bereich (Pipelines, LNG-Terminals) expandieren und die neue Gaskraftwerke bauen.

Warum sind uns Kohle, Öl und Gas so wichtig, dass drei Viertel unserer Datenbank aus „fossilen Unternehmen“ besteht?

Zu warme Winter. Zu trockene Sommer. Stürme, Überflutungen, der Anstieg des Meeresspiegels. Das Pariser Klimaziel, die Erderhitzung auf 1,5° Celsius zu begrenzen, ist kein Selbstzweck, sondern wurde ausgehandelt, um extreme Wetterereignisse und andere (teils noch unvorhersehbare) Folgen des Klimawandels möglichst einzugrenzen. Die Unternehmen auf der GCEL und der GOGEL sind die, die die Einhaltung der 1,5°-Grenze nicht nur gefährden, sondern auch torpedieren.

  • Von den 1.433 Unternehmen auf der GCEL entwickeln 577 Unternehmen immer noch neue Kohlekapazitäten. Dagegen haben nur 71 Unternehmen Pläne für einen Kohleausstieg verkündet (von denen ganze 7 (sic!) überhaupt nur das Papier wert sind, auf dem sie stehen. Die anderen wollen zwar aussteigen, aber viel zu spät, oder sie wollen die Anlagen verkaufen, nicht stilllegen, oder sie wollen Kohlekraftwerke durch Gaskraftwerke ersetzen etc.).
  • Die Kapazität der Kohlekraftwerke soll z.B. um 516 GW oder 25% wachsen.
  • 2022 wurde weltweit so viel Kohle abgebaut wie noch nie: gigantische 7,2 Milliarden Tonnen! Und nach den Plänen der GCEL-Unternehmen sollen noch 2,5 Milliarden Tonnen jährlich dazu kommen.

 

  • Die GOGEL besteht im Grunde ausschließlich aus expandierenden Unternehmen. 96% der 700 Förderunternehmen suchen oder erschließen neue Öl- und Gasfelder.
  • 1.023 Unternehmen planen neue LNG-Terminals, Pipelines oder Gaskraftwerke.
  • Die Unternehmen stellen sogar Geld in ihren Finanzplänen für die Suche nach neuen Öl- und Gasreserven: insgesamt 170,4 Milliarden US-Dollar. Das ist eine Steigerung von mehr als 30% gegenüber 2021!

Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist die der Investmentfonds. 1.742 der Fonds auf unserem Portal sind mindestens in 1 Unternehmen der GCEL investiert und 2.551 in mindestens ein GOGEL-Unternehmen. 22 Fonds haben mehr als die Hälfte ihres Volumens in Öl- und Gasunternehmen investiert, mit den Energiefonds mit bis zu 96% an der Spitze. Selbst Artikel 9-Fonds setzen auf GOGEL-Unternehmen. Ein Beispiel ist der Sustainable Energy Fund von BlackRock (LU0124384867), der eigentlich schreibt, nicht in Kohle- und Erdölproduzenten zu investieren (s. die Beschreibung im Portal „onvista“ oder im Verkaufsprospekt auf S. 633). Dennoch finden sich Enel, NextEra und RWE im Portfolio, und man darf sich fragen, wie das Fondsmanagement Kohle und Erdöl definiert.

Auch Kohleunternehmen sind weiterhin beliebt bei Fonds auf dem deutschen Markt. Spitzenreiter mit der Hälfte des Investitionsvolumens in Kohleunternehmen ist ein Fonds iShares-Fonds auf den S&P Utilities Sector (IE00B4KBBD01), immerhin kein Fonds mit besonderem nachhaltigen Anspruch. Aber Faire Fonds führt 1.911 Fonds, die sich nach Artikel 8 klassifizieren, die in mindestens ein Kohleunternehmen investiert sind – und 255 Artikel 9-Fonds.

Nun ist die wissenschaftliche Diskussion um die Wirkung von Investment bzw. Divestment gerade erst im Gange. Aber angesichts der Expansions- und Explorationsvorhaben von dermaßen vielen Unternehmen auf den beiden Listen von urgewald ist die Argumentation, „Engagement ist sinnvoller als Divestement“ und man wolle die Transformation der Unternehmen „begleiten“ unglaubwürdig.

 

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