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Finanztest gegen Greenwashing

Bild: © n.v.

Cover der Finanztestausgabe 9/2022

Die Stiftung Warentest hat für 09/2022 eine weitere Ausgabe des Finanztest-Magazins herausgegeben. Die Ausgabe mit dem Titel „Grünes Geld“ beschäftigt sich neben einem Girokonten-Vergleich, Rentenversicherungen, Steuererklärungen, Immobilien und Testamenten auch mit nachhaltigen, „grünen“ Geldanlagen. Die Autoren listen und bewerten 144 Fonds nach ihren Anlageerfolgsaussichten und ihrer Nachhaltigkeit mit jeweils bis zu 5 Punkten. Die Fonds werden nach Art (z.B. ETF oder Aktienfonds) und nach verschiedenen Investment-Universen (Aktienfonds weltweit, Aktienfonds Schwellenländer oder Aktienfonds Europa) getrennt.

Die Grundidee von Stiftung Warentest ist es den rechtlich nicht kodifizierten Begriff der „Nachhaltigkeit“ mit eigenen Kriterien greifbar und transparent zu machen. Wie genau ist die Methodik – und stimmen gute Ergebnisse bei der Kriterien-Bewertung mit den Ergebnissen unserer Portfolio-Analyse überein?

Im Zentrum der Bewertung von Stiftung Warentest steht die Bewertung der Ausschluss-Kriterien und ob Kontroll-Instanzen durch einen unabhängigen Beirat existieren.

Finanztest hat die Anlagestrategien der Fonds unter die Lupe genommen und analysiert, ob sie Regelungen in Bezug auf 29 gesetzte Kriterien enthalten. Finanztest arbeitet mit Umsatzschwellen: eine Schwelle von 5% führt zu einem ganzen Punkt, 10% bringen immer noch einen halben Punkt. Für die Kriterien Ölsande, Fracking, geächtete Waffen, Pornographie und Tabakproduktion liegen die Schwellenwerte pro Unternehmen bei 0% für einen ganzen Punkt und bei bis zu 5% für einen halben Punkt.

Das Ergebnis

Nach den Recherchen von Finanztest legen die aktiv gemanagten Fonds oftmals strengere Kriterien an ihre Investitionen an als die ETFs, da Letztere weniger Ausschlüsse beim Abbilden eines Index berücksichtigen und auch keinen Beirat einsetzen, der das Fondsmanagement berät. Das Abschneiden der ETFs mit einer maximalen Bestnote von 3/5 spiegelt ein Bild wider, das auch in der Faire Fonds Datenbank zu finden ist, wo viele der schwer belasteten Fonds passiv gemanagte Fonds sind.

Mit Blick auf die Fonds mit Best- (5/5 Punkte – sieben Fonds) und Zweitbestwertung (4/5 Punkte – fünfzehn Fonds) zeigt sich, dass insbesondere Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen nicht durch die Anlagekriterien der Fonds ausgeschlossen werden. Schwere Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen geschehen in den Lieferketten der multinationalen Unternehmen, z.B. in der IT- oder Textilindustrie. Kaum ein Unternehmen betreibt selbst Fabriken zur Herstellung von Computerchips oder der neusten Mode, sondern lagert die Produktion an Zulieferer aus. U.E. entbindet dies die multinationalen Konzerne aber nicht von ihrer Verantwortung, die Prinzipien der ILO-Kernarbeitsnormen und des UN Global Compacts einzulösen.

Ein Kernstück von Faire Fonds ist daher auch die Corporate Human Rights Benchmark, die Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen gerade entlang der Lieferkette auch den Konzernen zuschreibt. Und dies führt dann dazu, dass lediglich für 4 der best-benoteten Fonds von Finanztest auch auf Faire Fonds keine kontroversen Beteiligungen gekennzeichnet werden, während der Fonds “Responsible Stock Global“ (ISIN: AT0000646799) gleich 18 Einträge bei faire-fonds.info mit Menschen- und/oder Arbeitsrechtsverletzungen aufweist. Bei den meisten best-benoteten Fonds von Finanztest sind Tech-Giganten wie Apple, Microsoft, Infineon Technologies oder Tesla im Portfolio vertreten.

 

Es ist aber nicht nur das Thema Menschen- und Arbeitsrechte, das zu unterschiedlichen Ergebnissen führt. Der “Steyler Fair Invest Equities“ (ISIN: DE000A1JUVL8) ist z.B. in das Kohleunternehmen Air Products And Chemicals Inc investiert, das in der Global Coal Exit List (GCEL) als Unternehmen geführt wird, das seine Kohleinfrastruktur ausbaut.

Vier weitere der best-benoteten Fonds sind in Gasunternehmen investiert. Es sind vor allem der “Liga-Pax-Aktien-Union“ (ISIN: DE0009750216) und der “Responsible Stock Dividend“ (ISIN: AT0000A1QA79) zu nennen, die in die Unternehmen BASF, Equinor und Repsol bzw. ONEOK, Snam oder The Williams Company investiert sind, die alle in der Global Gas and Oil Exit List (GOGEL) enthalten sind.

Diese Beispiele zeigen, dass zwar die Kriterien eines Fonds gut sein können, wie von Finanztest bewertet, aber die Umsetzung der Kriterien einer kontinuierlichen Überprüfung bedürfen.

Die Fonds-Liste von Stiftung Warentest ist durch die Auswahl der Ausschlusskriterien ein gutes Werkzeug. Sie kann helfen, eine Vorauswahl von Fonds mit Kriterien zu treffen, die Anleger*Innen wichtig sind. Allerdings sehen wir auch, dass die Kriterien nicht immer in die Tat umgesetzt werden. Hier empfiehlt sich ein Blick in faire-fonds.info um die Kontroversen im tatsächlichen Portfolio zu überprüfen.

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