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Aus für eine glaubhafte Taxonomie

Bild: © IAEA [CC BY-SA 2.0] - flickr

IAEA fact finding mission in Fukushima, 27. Mai 2011

Der 6. Juli war ein herber Schlag ins Gesicht der Nachhaltigkeit: EU-Parlament hat den im Februar 2022 vorgebrachten Vorschlag der EU-Kommission angenommen, Atomenergie und Erdgas in der Taxonomie unter bestimmten Voraussetzungen als nachhaltige Wirtschaftszweige zu klassifizieren. Ein Gegenantrag wurde mit 328 Stimmen abgelehnt. Nur 278 EU-Parlamentarier*innen stimmten dafür, Atom und Gas aus der Taxonomie herauszuhalten. Erforderlich für die qualifizierte Mehrheit von +50% wären bei insgesamt 705 Sitzen 353 Stimmen gewesen.

Die allerletzte Möglichkeit, die Glaubwürdigkeit der EU-Taxonomie aufrechtzuerhalten, wäre es nun, dass der Rat der Aufnahme von Atom und Gas in das Regelwerk nicht zustimmt, aber —

Mit der Aufnahme von Atom und Gas in die Taxonomie können Investitionen in die entsprechenden Branchen als nachhaltig qualifiziert werden. Was jedoch nachhaltig an „weniger/anders schädlich“ ist, bleibt noch abzuwarten. Neben der erheblichen Gefahr, die von den Reaktoren ausgeht, ist bei Kernenergie immer noch ungeklärt, wie der Atommüll über Jahrhunderte sicher verwahrt werden soll. Die Endlagersuche gestaltet sich bekanntlich schwierig. Die bisher immer noch ergebnislose Suche nach einem Endlager wird auf europäischer und globaler Ebene zu einer nur noch drückenderen Thematik. Mit Blick auf die Sicherheitsrisiken, hat kürzlich erst der russische Angriffskrieg in der Ukraine gezeigt, wie fragil die Sicherheitsstruktur auch in Bezug auf Atomreaktoren ist (Besetzung von Tschernobyl und dem laufenden AKW Saporischschja).

Bei Erdgas ist die Problematik anders, nichtsdestotrotz ebenso dringlich gelagert. Neben den politischen Fragen der Beschaffung und des Ausbaus der Infrastruktur bleiben auch hier weiterhin die Fragen der Nachhaltigkeit unbeantwortet. Dass auch bei der Energiegewinnung von Erdgas CO2 freigesetzt wird, ist kein Geheimnis. In unserem letzten Blogbeitrag haben wir schon über das Reputationsrisiken durch die Gas-Förderung berichtet, die urgewald regelmäßig auf dieser Seite veröffentlicht. Daran wird sich auch durch die neue Klassifizierung der Gas-Industrie durch die EU-Taxonomie nichts ändern.

Atom und Gas sind keine nachhaltigen Anlageoptionen und die Klassifizierung als solche ist Greenwashing. Fondsanbieter müssen für ihre nachhaltigen Angebote weiterhin auf Atom und Gas verzichten. Um hier Transparenz zu schaffen, werden in dem nächsten Update der Faire-Fonds Datenbank neben den bereits gelisteten Gas-Unternehmen aus der GOGEL auch Atomunternehmen integriert und eigens gekennzeichnet werden.

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