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Hintergrund

Wiederholt belegen aktuelle Recherchen, dass Investoren und Finanzdienstleister (Versicherungen, Investmentgesellschaften und Banken) über ihre Beteiligungen an Unternehmen von deren entwicklungshemmenden, umwelt- und klimaschädlichen bzw. menschenrechtlich höchst problematischen Geschäftsmethoden profitieren, die zu Armut, Flucht und Umweltzerstörungen beitragen.

Eine wesentliche Rolle dabei spielen Investmentfonds (Fonds). Diese Form der gemeinschaftlichen Kapitalanlage in zum Beispiel Aktien oder Anleihen gewinnt in Zeiten niedriger Zinsen für Privatanleger immer mehr an Bedeutung. So umfasste 2018 laut dem deutschen Fondsverband BVI das in Publikumsfonds investierte Vermögen 974 Milliarden Euro. Innerhalb der letzten 5 Jahre ist das investierte Vermögen um 36% von 716 Milliarden Euro angestiegen.

Die Zusammensetzung der Fondsportfolios durch Fondsanbieter wird dabei selten näher in Augenschein genommen. So finden sich z.B. die größten klimaschädlichen CO2 Emittenten aus der fossilen Energiebranche (Chevron, Shell, Gazprom, Coal India, etc. ) in nahezu allen Portfolios deutscher und internationaler Fondsanbieter, aber auch Beteiligungen an Rüstungsfirmen (AIRBUS/MBDA, Rheinmetall, Lockheed Martin etc.), die an Staaten (Saudi Arabien etc.), die aktuell im Jemen-Krieg involviert sind, Waffen liefern und somit die laut UNO gegenwärtig größte humanitäre Katastrophe mit zu verantworten haben.

Auch auf die vielfach beworbene Bezeichnung „grün“ oder „nachhaltig“ eines Fonds können sich SparerInnen häufig nicht verlassen. Viele Fonds haben zwar mittlerweile Anlagekriterien, mit denen sie ihre Produkte bewerben. Doch eine genauere Analyse zeigt häufig, dass zahlreiche Produkte, die mit Nachhaltigkeit werben, ebenfalls in kontroverse Unternehmen investieren.  Nahezu jeder Fondsanbieter hat sich mit seinen Investitionen unterschiedliche Ziele in Bezug auf das Thema Nachhaltigkeit gesetzt. Bislang gibt es für AnlegerInnen keine standardisierten Informationen in Bezug auf Nachhaltigkeitskriterien. Hierdurch steigt der Bedarf nach Beratung, Information und Transparenz.

Viele Menschen, die privat, betrieblich oder staatlich gefördert in Fonds oder fondsbasierte Produkte (z.B. Renten- oder Lebensversicherungen) investieren wollen, wissen nicht, wie ihre Renditen erwirtschaftet werden. Meistens entscheiden nur die jeweiligen Anbieter, also Versicherungsunternehmen, Banken, Fondsgesellschaften und Pensionskassen, in welche Fonds bzw. welche Unternehmen das Geld investiert wird. Sie bewegen Milliardensummen – und allzu oft geht Rendite über alles. Die Anlagekriterien der KundInnen selbst werden zumeist nicht abgefragt, obwohl viele nicht nur an der Rendite, sondern auch an ethischen, sozialen und ökologischen Kriterien interessiert sind.

Als Folgeprojekt der „Faire Rente“-Initiative stellt das Faire Fonds-Projekt deshalb eine Fonds-Datenbank zur Verfügung, die diese Informationen aufbereitet. Mit der Frage „…was macht eigentlich meine Bank/meine Versicherung mit meinem Geld?“ will das Projekt dazu motivieren, genauer hinzusehen, kritischer nachzufragen und gegebenenfalls nach Alternativen zu suchen. Es soll gezeigt werden, wie durch eine unreflektierte Geldanlage bzw. ein unkritisches Konsumentenverhalten Profite erzielt werden, die auf besonders rücksichtslosem und unethischem Handeln basieren und dabei häufig gegen international akzeptierte soziale und ökologische Normen und Standards verstoßen.

 

Bitte beachten Sie: Diese Webseite dient nicht der Empfehlung oder dem Abraten eines Produktes sondern der Information über die Beteiligungen der Investmentfonds. Die Entscheidung über den Abschluss eines Vertrags liegt nur bei Ihnen und daher sollten Sie sich zu den Kosten, den Chancen sowie den Risiken eines Produktes genau erkundigen.

Die Frage, woher die Rendite kommt, die Investmentfonds erwirtschaften, wird selten gestellt, und oft kann nicht ausgeschlossen werden, dass es Beteiligungen an kontroversen Unternehmen sind, die zum finanziellen Profit beitragen. Unsere Fonds-Datenbank analysiert deshalb über 3.800 Fonds (inkl. diverser Anlageklassen) der vier größten Deutschen Anbieter, die Beteiligungen an Unternehmen, welche Verletzungen ein oder mehrerer ESG-Kriterien (Environmental, Social und Governance) aufweisen. Diese Verletzungen sind vielfältig und beinhalten Korruptionsfälle, Finanzdelikte, Verstöße gegen Arbeits- und Menschenrechte, sowie Umwelt- und Klimazerstörung. Bei der Auswahl Ihrer Investmentfonds sollten Sie darum genau darauf achten, nicht indirekt diese kritischen Unternehmenspraktiken zu unterstützen.

Der Gesetzgeber sieht bei der Auswahl des Fondsportfolios keine verbindliche Berücksichtigung von sozialen und ökologischen Standards (ESG-Kriterien) vor. Somit können die FondsmanagerInnen jegliche Unternehmen auswählen, auch die, die zum Beispiel für Menschenrechtsverletzungen oder Umweltzerstörung verantwortlich sind oder mit der Produktion kontroverser Waffen ihr Geld verdienen. Der Fonds profitiert davon, und Sie als KundIn auch.

Einen Anhaltspunkt zur Einhaltung von ESG-Kriterien bieten freiwillige Nachhaltigkeitsrichtlinien der Vermögensverwalter oder Fonds selbst. Die KundInnen werden jedoch oft mit vagen Aussagen im Unklaren gelassen, da es keine standardisierten Bestimmungen gibt, was diese Richtlinien konkret beinhalten und wie darüber berichtet werden soll.

Mit unserer Initiative wollen wir zu mehr Transparenz von Investmentfonds beitragen und haben darum die Portfolios von über 3.800 Fonds auf Beteiligungen an kontroversen Unternehmen überprüft, darunter auch mit einem FNG-Siegel ausgezeichnete oder von der Zeitschrift Öko-Test aufgeführte „Nachhaltigkeitsfonds“. Die genaue Vorgehensweise können Sie unter Methodik einsehen.

Umweltkatastrophe im Golf von Mexico: Nach der Explosion der Ölplattform Deepwater Horizon von BP wird schwimmendes Öl auf dem Wasser abgefackelt. (c) Coast Guard Foto von Petty Officer First Class John Masson.
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