Überspringen zu Hauptinhalt

WDR-Beitrag: „Nachhaltige Fonds“

Fondsmanager*innen ist bekannt, dass das Thema Nachhaltigkeit bei der Geldanlage immer wichtiger wird. Noch machen explizite „Nachhaltigkeitsfonds“ zwar nur 3% des Angebots aus, aber das Interesse daran steigt und rentabel sind sie auch – sogar oft rentabler als konventionelle Produkte.

Aber wie nachhaltig sind eigentlich diese „nachhaltigen Fonds“?

Zur Beantwortung dieser Frage sprach Thomas Küchenmeister von Facing Finance mit Nora Abu-Oun vom WDR. Der Video-Beitrag und dessen Bericht stellen klar, dass an Nachhaltigkeit interessierte Anleger*innen auch bei zertifizierten Fonds lieber genau hinsehen sollten. Denn problematisch ist, dass der Begriff nicht einheitlich definiert ist und daher auch nicht standardisiert verwendet wird: „Nachhaltigkeit“, das beinhaltet ökologische, ethische und soziale Gesichtspunkte – was jedoch genau darunter verstanden wird, ist am Ende Auslegungssache.

Thomas Küchenmeister warnt, dass viele Banken und Fondsmanager*innen sich diesen Umstand zunutze machen und den Begriff für ihre Marketinginteressen missbrauchen. Schon bei einer Stichprobe von 4 „Nachhaltigkeitsfonds“ fällt auf, dass alle Portfolios auch kritische Beteiligungen beinhalten und zum Beispiel in die Automobil- und Flugbranche, die Erdöl- und Erdgasförderung und in autonome Waffen investiert sind.

Auch Martin Hinrichs von der internationalen Kampagne zu Abschaffung von Atomwaffen (ICAN) kritisiert zwei der Fonds für deren Beteiligung an der Herstellung amerikanischer Atomwaffen. Für „nachhaltige“ Fonds sind das bedenkliche Befunde, schließlich sollte es nicht in der Verantwortung der Kunden liegen, sicher zu stellen, dass die Produkte halten, was sie versprechen. Dies ist die Aufgabe der Anbieter. Auf Nachfrage einer Stellungnahme verweisen die Vermögensverwaltungen dieser Stichprobe auf ihre eigenen Nachhaltigkeitskriterien, die sie als erfüllt ansehen. Dies verdeutlicht die Problematik des Interpretationsspielraums des Begriffes „nachhaltig“.

Auch umstrittene Unternehmen, in die Fonds investieren, wie Total SA oder ExxonMobil verfahren auf diese Weise: Im Nachgang an den Beitrag veröffentlichte der WDR Stellungnahmen, die über das Selbstverständnis der Unternehmen offenbaren, dass sie sich selber als nachhaltig agierende Unternehmen einschätzen, bzw. sich nach außen als solche darstellen. Dass laut Carbon Majors Report 2017 ExxonMobil alleine für 2,0% und Total SA für 0,9% der gesamten weltweiten Treibhausgase in den Jahren 1988-2015 (kumuliert) verantwortlich waren und sie somit maßgeblich zum Klimawandel beitragen, scheint an dieser Selbstvermarktung nichts zu ändern.

Solange der Nachhaltigkeitsbegriff und etwaige Siegel nicht einheitlich sind, bleibt also eine eigene Recherche ratsam. Die Datenbank unseres „Faire Fonds“-Projekts, die über 2.000 Fonds auf kontroverse Beteiligungen überprüft, steht dafür hier zur Verfügung. Anhand der ISIN oder des Namens eines Fonds können diese überprüft werden: z.B. den im Video-Beitrag von der Deutschen Bank angebotenen DWS Stiftungsfonds (DE0005318406). Das Projekt und die Datenbank sollen dazu motivieren, genauer hinzusehen, kritischer nachzufragen und gegebenenfalls nach Alternativen zu suchen. Außerdem soll gezeigt werden, wie durch eine unkritische Geldanlage Profite erzielt werden, die auf besonders rücksichtslosem und unethischem Handeln basieren und dabei gegen international akzeptierte soziale und ökologische Normen und Standards verstoßen, die im Investmentbereich noch keine Anwendung finden.

An den Anfang scrollen